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DTSF - Die Presse



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Nachrichten von der Kassette

Jubiläum: Seit 25 Jahren geben die Darmstädter Tonband- und Stereofreunde wöchentlich eine Hörzeitung heraus –Neuigkeiten aus der Region – 19 Engagierte im Team

Die Melodie erinnert ein wenig an „Fox' tönende Wochenschau“ aus den fünfziger und sechziger Jahren. „Darmstadt Aktuell. Die wöchentliche Hörzeitung“. Mit diesen, von einer sonoren Männerstimme gesprochenen Worten beginnt jede Ausgabe der vertonten Zeitung für Blinde und Sehbehinderte. Seit 25 Jahren gibt es die hörbaren Nachrichten auf Kassette, die die Darmstädter Tonband- und Stereofreunde produzieren.
Jeden Montagabend trifft sich im Keller des Justus-Liebig-Hauses die Redaktion. 19 Frauen und Männer gehören dem Team an. Redakteure, Sprecher und Techniker. Winfried Schenk sitzt mit drei Kolleginnen an einem Tisch im Vorraum. Sein Blick ist konzentriert auf das Blatt Papier vor ihm gerichtet. Darauf ist ein Zeitungsausschnitt aus dem ECHO aufgeklebt. Inhalt: Die Bebauung des Knell-Geländes. „Das ist eines der Themen der Woche“, sagt Schenk. Er ist für die Themenauswahl dieser Ausgabe, es ist die1305., zuständig.

Hauptquelle ist das ECHO. Tag für Tag lesen die Hörzeitungs-Redakteure die Zeitung ganz genau, schneiden Artikel aus, die sie für ihre Hörer interessant halten. Dann werden diese für die vertonte Zeitung bearbeitet. „Ich muss die Texte kürzen, Fremdwörter rausnehmen“, erläutert Schenk seine Arbeit. Neben der Knell hat er die Pflege der Waldwege und den Wechsel im Tierheim als weitere Themen ausgewählt. Drei, wie für jede Ausgabe. Jeder beitrag darf nicht länger als drei bis vier Minuten sein.

Es gibt klare Zeitvorgaben. Die orientieren sich an der Kapazität der Kassette. Jede Seite hat eine Spieldauer von 45 Minuten. Entsprechend ist das Programm gegliedert. Auf der ersten Seite ist der aktuelle Teil zu hören: die Themen der Woche, Nachrichten aus Darmstadt und ein Meldungsblock „Rund um Darmstadt“ mit Neuigkeiten aus den Landkreisen. Ute Willert hat sie zusammengestellt. „35 Meldungen für 15 Minuten“, sagt sie. Auf der zweiten Seite ist das „Schaufenster“ zu hören. Interviews, Kulturelles, manchmal auch Impressionen.

Auch ein Serviceteil ist enthalten – mit Verkehrsmeldungen. „Für unsere Hörer ist es wichtig, dass sie erfahren, wo sie die Straße nicht mehr so gut überqueren können“, erklärt Carsten Runge. Er ist Vorsitzender der Tonband- und Stereofreunde und quasi der Chefredakteur. Er kümmert sich auch um die Technik.

In Studio eins hat die stellvertretende Vorsitzende Andrea Braun Platz genommen, in Raum zwei Winfried Schenk. Braun moderiert das erste Thema an, Schenk spricht seinen Text. Nach einem genau festgelegten Programmablauf folgen weitere Nachrichtensprecher.

Das Programm wird zunächst auf CD aufgenommen. Die Scheiben schickt Runge nach Alsbach-Sandwiese zur Blindenhörbücherei der „Stimme der Hoffnung“ und nach Holzminden zur „Aktion Tonbandzeitung für Blinde“. Dort werden sie auf Kassetten vervielfältigt und an die rund 170 Abonnenten in Darmstadt und den umliegenden Landkreisen in gelben Kunststoffkuverts versandt.

Die Hörer in Darmstadt erhalten die Kassetten kostenlos, weil die Stadt das Projekt unterstützt. Die Hörer in den Landkreisen müssen für Kopierkosten aufkommen, wenn diese nicht durch Spenden abgedeckt sind.

Die Tage der Kassetten sind aber gezählt. Im kommenden Jahr soll „Darmstadt Aktuell“ nur noch auf CD verschickt werden. Nach 25 Jahren ein technischer Umbruch. Schon jetzt ist die Kassette nicht das einzige Medium. Zusätzlich zum Abonnement ist „Darmstadt Aktuell“ donnerstags von 17 bis 19 Uhr bei Radio Radar und als Podcast im Internet unter www.dtsf.de zu hören. Jubiläumsfeier Das fünfundzwanzigjährige Bestehen der Hörzeitung feiern die Darmstädter Tonband- und Stereofreunde am Montag (27.) ab 19.30 Uhr im Justus-Liebig-Haus, Große Bachgasse 2a.



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Foto: Roman Grösser - Aufnahme: Andrea Braun und Winfried Schenk (rechts) sprechen in einem Studioraum der Darmstädter Tonband- und Stereofreunde die Nachrichten für die Hörzeitung "Darmstadt aktuell". Der Vorsitzende des Vereins, Carsten Runge, führt vom Technikraum aus Regie.



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Die Hörzeitung „Darmstadt aktuell“Initiative kommt vom Blindenverband, später Ausweitung auf Senioren

Die Initiative für eine Hörzeitung in Darmstadt ging 1983 vom damaligen Vorsitzenden der Darmstädter Bezirksgruppe im Blindenverband, Werner Castritius, aus. „Darmstädter Kurier“ nannten sich die ersten Ausgaben der Hörzeitung der Darmstädter Tonband- und Stereofreunde. Zielgruppe waren zunächst blinde und sehbehinderte Menschen. Das änderte sich nach gut fünf Jahren. Der Seniorenbeauftragte der Stadt, Anton Annasens, schlug vor, auch für Senioren vertonte Nachrichten anzubieten: „Darmstadt Aktuell“. Fünf Jahre lang gab es fortan zwei Hörzeitungen, bevor beide Ausgaben schließlich unter dem „Darmstadt Aktuell“ zusammengelegt wurden.

Darmstädter Echo
wog
25.10.2008



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„Das ist unsere Seniorendisco“

Tanztee: Schlager sind bei der Veranstaltung in Griesheim besonders gefragt – Immer zwischen 80 und 120 Gäste

GRIESHEIM. Wenn die Griesheimer Seniorenbeauftragte Ute Rappold zum „Tanztee“ bittet, kommt Nostalgie auf: man denkt an zart geblümte Porzellantassen und galante Verbeugung des Herrn vor der Dame seiner Wahl. Tatsächlich hat die Veranstaltung im Pavillon des Hauses Waldeck traumhaften Charme. „Der Tanztee für Senioren lag mir schon immer am Herzen. Mai 1995 habe ich ihn gemeinsam mit den Darmstädter Tonband- und Stereofreunden ins Leben gerufen“, blickt Rappold freudig in die Runde.

Auf der Bühne hat Carsten Runge sein mobiles Tonstudio aufgebaut. Eingerahmt von Mikrofon, CD-Anlage und zahllosen Musikdisks sorgt er für anmutige Melodienfolgen. Der Vorsitzende der Stereofreunde ist mit 32 Jahren der Jüngste im Saal, doch er hat ein Gespür für harmonischen Wechsel von Schlager zu Kapellenklängen. „Ich biete ein Potpourri, bei dem für jeden Geschmack etwas dabei ist – von Roy Black bis James Last. Schlager sind allerdings besonders gefragt.“



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Foto: Günther Jockel - Gut unterhalten fühlen sich die Besucher des Tanztees im Griesheimer Seniorenheim Haus Waldeck von Discjockey Carsten Runge.



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Rappold sieht die Musikauswahl noch unter einem anderen Aspekt: „Sechzigjährige bevorzugen eine andere Musikrichtung als Achtzigjährige – Wünsche werden stets berücksichtigt, und durch Mitbringen eigener CDs kann der Tanztee aktiv mitgestaltet werden.“

„Tanze mit mir in den Morgen“, säuselt die honigsüße Stimme Gerhard Wendlands den Tango, der 1961 ein Ohrwurm war. Für viele weckt das Lied Erinnerung an ferne Zeiten: verstohlene Gutenachtküsse vor der elterlichen Haustür und der schnittige Motorroller, auf dem die Jugendliebe in die Nacht entschwand. Zahlreiche Paare drehen sich auf der Tanzfläche, andere genießen Kaffee und Kuchen und lauschen versonnen den Klängen. „Wir haben immer zwischen 80 bis 120 Gäste – teils leben sie im Haus Waldeck, teils kommen sie von außerhalb. Auch unsere Bewohner, die nicht mehr so mobil sind, kommen gern, um zuzuschauen und miteinander zu plaudern“, erläutert Rappold.

Die fidele Frau weiß, wovon sie spricht: seit 1984 ist sie als Sozialpädagogin im Altenwohn- und Pflegeheim Ansprechpartnerin und Organisatorin zahlreicher Veranstaltungen. Auch mit Antritt ihrer Stelle als Seniorenbeauftragte der Stadt hat Rappold ihr Büro vor Ort behalten: „Das ist mir wichtig. So bin ich am Puls des Geschehens und für alle Griesheimer Senioren gut erreichbar.“

„Wir wollen niemals auseinander gehen“, ertönt jetzt der Gesang von Heidi Brühl. Helmut Kleinwöhl (74) blickt seiner graziösen Partnerin tief in die Augen. Ingrid Erdmann-Klein (64) erwidert den Blick innig. „Wir sind füreinander die zweite große Liebe im Leben“, verrät sie. Nach einsamen Jahren fordert das Paar noch einmal das Glück heraus. Zwar gehört das Schwelgen in Erinnerungen beim Tanztee dazu, doch Gefühle beziehen sich unübersehbar auch aufs Heute. In chicen Blusen und eleganten Blazern fühlt sich mancher zum Flirten aufgelegt.

„Solch einen Tanztee gibt es selten – er ist unsere Seniorendisco“, scherzt Heinrich Kritzer. Gemeinsam mit Partnerin Margret Müller ist er beim Tanzsport der TuS Griesheim aktiv. „Es wird Musik gespielt, die jedermann zum Tanz ermuntern – selbst wenn man die Schrittfolgen nicht kennt“, lobt auch Müller als Vizepräsidentin der Tanzsportabteilung die Veranstaltung. Auf der Tanzfläche wiegt sich manches Paar in fantasievollen Drehungen, während andere in gekonnter Tanzhaltung Foxtrott oder langsamen Walzer zelebrieren.

„Wir sind überall dabei, wo es was zum Tanzen gibt“, sagen der siebzigjährige Willibald Pfeffer und Partnerin Lieselotte Skoda begeistert. „Man muss dafür sorgen, dass man nicht einrostet“, lacht sie. Beim herrlichen Wetter ist auch die sonnenbeschirmte Terrasse des Pavillons gut besetzt. Anmutig plätschert ein Brunnen, und die romantische Musik dringt gedämpft aus dem Saal herüber. Ute Rappold zückt lächelnd ihre Kamera, um ein Erinnerungsfoto zu schießen.

Darmstädter Echo
lot
24.4.2007



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